24.12.1793: Königliche Hochzeit in Berlin // Mariage Royal à Berlin

Publié le par Königin Luise - Königin der Herzen

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berliner-schlos-weiser-saal4Am 24. Dezember 1793 fand die Vermählung des Kronprinzenpaares im Weißen Saal des Berliner Schlosses statt. Einer alten Tradition folgend, schmückte die Königin die Braut mit der Diamantkrone der Prinzessinnen von Preußen und überreichte ihr den Fächer aus geschlagenem Dukatengold. Das Brautkleid aus silberfarbenem Atlas hatte eine hohe Taille, kleine, kurze Ärmel, der Ausschnitt war mit Diamantrosen besetzt. Um den Hals trug Luise das Kronkollier im damaligen Wert von einer halben Million Taler. 

Der feierliche Hochzeitszug bewegt sich um sechs Uhr abends langsam durch die im Kerzenlicht glänzenden Räume König Friedrichs I., die nur zu diesem Zweck geöffnet wurden. Als Page im Schloss ein dreizehnjähriger Schüler Dienst: der junge Achim von Arnim, der staunend sah, wie Luise "gesenkten Hauptes, im Glanze ihrer Schönheit, langsam durch die gedrängten Räume schritt". Selbst die beiden anwesenden Königinnen, die Witwe Friedrichs des Großen und die Mutter des Bräutigams, sind von der Schönheit und Würde der Braut beeindruckt. "Die Königskrone in ihrem aschblonden Haar stand ihr entzückend". 

 


 

In der Mitte des Weißen Saales war unter einem rotgoldenen Baldachin der Altar errichtet, um den sich die Familienmitglieder, Staatsminister und Generäle gruppierten. Die Trauung vollzog der Oberhofprediger Sack, der den Kronprinzen seit seiner Geburt kannte, ihn getauft und konfirmiert hatte. Er weiß, was seinem Zögling am meisten fehlt, und richtet an Luise die Bitte: "Von Eurer Königlichen Hoheit erwartet der Prinz, für den Sie zu leben geloben, was Würde und Macht ihm nicht geben können: das heilige Glück der Freundschaft."

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Nach dem Ringwechsel verkündeten zweiundsiebzig Schüsse den Berlinern die vollzogene Trauung. Die Gesellschaft begab sich in den2010-01-29-xxl--LuM SPSG 0 Luise-v-Preussen nachVieweg Plak Rittersaal, wo die Abendtafeln gedeckt worden waren. 
Bis heute blieben die unveröffentlichten, handgeschriebenen Listen des Hofmarschalls erhalten, betitelt "Zum Beilager-Tage Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen, an welchem vom Goldenen Service gespeißt wird". Demnach hatte man eine einzigartige Speisenfolge arrangiert. Wählen konnten die Gäste zwischen diversen Vorspeisen, es gab "frische und gebratene Austern. Sardellen Salath. Filés von Zander à la Condé. Ausgebackene Stinte oder Große Muscheln en Ragout". Es wurden weiterhin gereicht: "Pastete von Gänselebern. Eier à la Gelée garniert mit Croutons veloutés. Emince von Kalekunen à la Béchamel". Dann folgten: "Ochsenzungen mit Sauce rouge en balustrade. Gebratene Fasanen. Gebratene Haselhühner. Gebratene Kapaunen. Filés von Rebhühner mit Trüffeln-Sauce und croquets." Es gab dazu "Gratin von Krametsvögeln mit Wacholder-Sauce, Schoten und Mohrrüben, Croût von Champignons und Spargel coupés mit kleinen Fricandeaux". Auf goldenen Desserttellern - einem Service von Friedrich dem Großen - reichte man nicht weniger als zwölf Süßspeisen, darunter "Romanische Kuchen en Turban. Pommes en robe de chambre. Makronen Torte mit kleiner Grotte. Portugiesische Torte mit kleinem Tempel. Gelee von Himbeeren". 
Einer altmodischen Etikette entsprechend mussten die Hochzeitsfeierlichkeiten auf eine Weise beendet werden, die Friedrich Wilhelm schon damals lächerlich fand. Kurz vor Mitternacht wurde ein noch aus den Tagen des Großen Kurfürsten stammender "Fackeltanz" getanzt, bei dem die Staatsminister mit Fackeln vorausschritten, während der Bräutigam mit allen weiblichen, die Braut mit allen männlichen Mitgliedern des Königshauses tanzen musste.
Auch das bisher ungedruckte Protokoll ist erhalten, das die Reihenfolge vorschrieb. Luise tanzte mit dem König und dem uralten Prinzen Heinrich, mit den Schwägern Wilhelm und Ludwig, ihrem Vater und Georg. Der Bräutigam führte seine Mutter41 00096617~ henriette-felicite-tassaert koenigin-luise-von und die Großmutter Landgräfin, dann die Schwägerinnen Friederike, Charlotte und Therese, schließlich Luise Radzivill zum Tanz, die alles brennend interessant fand, besonders "das Festmahl, der Fackeltanz und die Entkleidung der Braut".
Die "Entkleidung der Braut" war ein damals schon unzumutbarer Vorgang. Die Oberhofmeisterin teilte das in Stücke geschnittene Strumpfband der Braut an Zeugen der Vermählung aus, und zwar in den Privatgemächern des Schlosses, in die sich das Brautpaar,bis zuletzt von Zuschauern umringt, nach Mitternacht endlich zurückziehen durfte. 
Am anderen Morgen bemerkte die Königin missbilligend, dass ihr Sohn in dieser Nacht Luise das Du angeboten hatte. 

 

 

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